Der Bostoner ActionScripter Keith Peters erkundet auf Chaos-101 Fraktale und Chaostheorie durch Programmiersprache. Neben dem wunderschönen Sierpinski-Dreieck, Mandelbrot und Lichtenberg, kann dort auch der in Flash programmierten Pythagorean Tree bestaunt werden! Aus einem einfachen braunen (Stamm-)Quadrat wächst ein mannigfaltiger, blühender Baum – wobei durch die pythagoräische Gleichung jede Baumebene nicht mehr Fläche enthält, als das Ausgangsquadrat. Hier wird nicht nur eine Mittelstufe-Matheformel spielerisch exemplifiziert, vielmehr offenbart sich ein Prinzip, das sowohl in der Natur, als auch im digitalen Code Geltung hat: Es entfaltet sich nur das, was bereits angelegt ist.
Genauso verhält es sich auch bei der generativen Kunst, die Peters in einem weiteren Projekt – Art From Code – realisiert:
Der Künstler Michael Bell-Smith erhebt mit seinen Werken “Gate to Night / Gate to Day” und “Revolving Door – Light / Dark” das GIF-Format in die Höhen des artistischen Materials. Endlich, und zum Glück.
Der kreativen Nutzung der bereits erwähnten Video-Annotation-Funktion von YouTube sind seit Juni 2009 einige interessante Projekte entsprungen. Sehr viel Spaß haben mir die Interactive Andventures von Chad, Matt & Rob bereitet. Im Gegensatz zu den meist unerträglichen YouTube-Channels schlecht-humoriger Schausteller, scheint dieses Team aus L.A. einige Expertise, Kreativität und Genre-Gespür an den Tag zu legen. Mit sichtlicher Begeisterung entstanden die drei trashigen Abenteuer “The Time Machine“, “The Murder” und “The Birthday Party“. Es könnte daran liegen, dass ich früher gerne Click-Adventures spielte; es könnte daran liegen, dass ich als Kind sogar interaktive Krimibücher verschlungen habe – aber es war mir eine Freude, mich durchzuklicken. Es folgt CMRs Video “How To Make An Interactive Adventure”, von dem aus man auch zu den Abenteuern gelangt.
Eine aktuelle Faszination für StopMotion-Trickfilme führte mich zu Patrick Boivin, einem kanadischen Regie-Autodidakten, der in seinen Filmen ein außergewöhnliches Gespür für Timing offenbart. Nachdem ich von “IronMan vs. Bruce Lee” begeistert und von “Jackson vs. Mr Bean” restlos überzeugt war, suchte ich nach mehr… und fand einen Film, der nicht nur mein Trickfilm-Herz und meine Retro-Seele eroberte, sondern gleich noch meine Medienwissenschaft-Synapsen befeuerte: YouTube Street Fighter!
Boivin macht sich hier die (mir dahin unbekannte) Technik der YouTube-Video-Annotations zu Nutze: Elemente des Videos können als Links markiert werden, die dann auf weitere Filme verweisen. Ursprünglich für Werbezwecke gedacht, wächst aufgrund dieser Funktion gerade eine Click-Adventure-Movie-Szene (Beitrag folgt) – Boizin jedoch nutzt dies, um die Game-Controls für Street Fighter zu simulieren. 3…2…1… FIGHT!!
arte widmet sich einem alten Thema mit neuer Ausdrucksstärke…
Was bedeutet das Internet für den traditionellen Journalismus? Diese Frage ist spätestens seit dem ersten Blogosphären-Boom eine ständig im Raum stehende. Dass der Diskussion aber Substanzielles noch hinzugeführt werden kann, zeigte der arte-Themenabend am 9. Februar 2010. Mit zwei Dokumentationen und einer Debatte sollte untersucht werden, auf welchen Abwegen sich der Journalismus von heute/gestern bewegt.
Die erste Dokumentation “Verloren im Nachrichtendschungel” fokussiert ein für mich persönlich sehr dringliches Thema, nämlich die beängstigende Dominanz von Verschwörungstheorien in den neuen Medien und den Köpfen ihrer Leser. Dabei verliert der Film meines Erachtens an Ausdrucksstärke durch den sehr subjektiven Schnitt, der bei der Brisanz des Gesagten gar nicht notwendig wäre.
“Frankreichs Meinungsmacher packen aus” hingegen ist ein spannendes, kontroverses Stück Film, das acht Positionen professioneller Journalisten vereinigt und nebeneinanderstellt, die es weiterzudenken lohnt. Abgerundet wird das Thema dann von der Debatte mit dem englischen Journalisten Jonathan Fenby und seinem deutschen Kollegen Michael Jürgs. Zum ersten Mal habe ich den Eindruck, dass es sich hier nicht um ein Hype-Thema, sondern um eine ernsthafte Auseinandersetzung mit einem gesellschaftlichen Phänomen handelt. Unterstrichen wird dabei die unbedingte Notwendigkeit, diesen Sachverhalt weiter zu untersuchen und konstruktiv zu gestalten.
Auf der Webseite zum Themenabend finden sich auch die Links zu den bei arte+7 eingestellten Streams. Ich ende hier, denn “Zu viel Information tötet die Information.” (Zitat von Axel Ganz aus dem Film “Frankreichs Meinungsmacher packen aus”).