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Twitterature

March 18th, 2010 by L'auteur · Keine Kommentare

Weltliteratur in zwanzig Tweets…

Zwei College-Studenten der University of Chicago – Alexander Aciman und Emmet Rensin – trafen 2009 mit ihrem Werk “Twitterature” die Geisteshaltung der Generation Web 2.0 mitten ins Herz. Sie reformulierten den Kanon der Weltliteratur in Twitter-Sprache (140 Zeichen) mit der zusätzlichen Vorgabe niemals mehr als 20 Tweets für ein Werk zu verwenden. Wilde, Homer, Goethe, Sophokles, Doyle, Woolf, Mann, Proust, Twain… alle bekamen sie einen Channel. Nach eigenen Angaben sahen Aciman und Rensin in der Literatur und der Social-Network-Platform die größten Projekte unserer Zeit, doch fehlte es Ihnen an Vermittlung des ersten durch das zweite. So könnte man das Unternehmen als eine Bewusstwerdung des kulturellen Gewebes in Neusprech verstehen. Dabei zünden die Mikroblog-Litarturfetzen doch erst richtig, wenn das Originalwerk dem Leser auch bekannt ist. Trotz der offensichtlich grauenhaften Implikationen von Sprachökonomie, Reduktion und Wortverarmung – irgendwie witzig; als Symptom vielleicht bezeichnend. Zur Kostprobe, eine Ultra-LOL-Stelle aus Kafkas Verwandlung:

[…]
OMFG, my father totally threw an apple into my back

REPEAT: THERE IS AN APPLE LODGED IN MY FUCKIN’ BACK
[…]

(Aciman & Rensin, Twitterature, London, Penguin Books, 2009, S.4)

Lange Rede, kurzer Sinn: The Satellite twittert nun auch, haha!

Tags: Digitalkultur · intern · Kunst · Literatur · Remix-Kultur · satellite.blog · Web 2.0